Fremd und vertraut: Anfang April erscheint die aktuelle Ausgabe von „Lebenszeiten“

Die Aprilausgabe der Zeitschrift  des Wuppertaler Hospizdienstes Lebenszeiten e.V. trägt denn Titel „fremd und vertraut“. Wir haben kulturell unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt, vor allem bezogen auf die Aspekte Altern und Sterben. Sie liegt ab Anfang April an verschiedenen öffentlichen Orten aus, ist aber auch über den Verein selbst zu beziehen.

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Um das Thema „kultursensible Pflege“ zu besprechen, sind wir zwar bis nach Duisburg gefahren, aber auch hier kommt die Diskussion in Schwung. So lädt der Hospizdienst „Die Pusteblume“  am kommenden Donnerstag, 3. April, zu einem Vortrag mit dem Titel „Sterben, Tod und Jenseits im Glauben der Muslime“ ein. Welche Vorstellungen im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer prägen Muslime, die in Deutschland leben? Die freie Journalistin Canan Topcu berichtet in „Lebenszeiten“ darüber, wie die Wahl der letzten Ruhestätte bei Einwanderern der zweiten und dritten Generation an Selbstverständlichkeit verliert.

Aufgefallen ist uns bei der Arbeit an der Zeitschrift, dass wir bei der kulturellen Differenz schnell an Musliminnen und Muslime denken. Auch unsere Redakteurin Hae Soon Kim und Cheryl Raymand aus Sri Lanka kommen zu Wort. Weitere bereichernde Sichtweisen mussten wir, teils aus Platzmangel, teils weil uns die Ansprechpartner aktuell fehlen, auf weitere Ausgaben verschieben. Den Titel „fremd und vertraut“ haben wir gewählt, um die Dynamik zwischen beiden Polen zu betonen: Wir nähern uns dem Fremden an und machen es uns nach und nach zu eigen. Auf der anderen Seite können wir lange an einem Ort leben und stellen irgendwann fest, dass uns in unserem Viertel, in unserer Stadt das eine oder andere befremdet.

Fordern Sie gerne ein Druckexemplar der Zeitung an! Sie steht selbstverständlich auch zum Download zur Verfügung. Über Anregungen, Kritik oder Ihre eigenen Geschichten über Fremdes und Vertrautes freuen wir uns sehr!

Website maropack: kreativ und SEO-optimiert über Folien und Beutel schreiben

Haben Sie schon einmal über Folien und Beutel nachgedacht? Ich auch nicht – bis ich den Auftrag bekam, die neue Website des Andernacher Unternehmens maropack zu texten. Nun kenne ich den Unterschied zwischen Bodenfalten- und Bodennaht-, Flach- und Headerbeuteln…

Neulich habe ich mich im Schreibwarengeschäft erwischt, wie ich statt eine Grußkarte auszuwählen die Verpackung eingehend prüfte. Liegt die Folie schön eng an? Wie wirken die Farben hinter der Folie? Steht da gar eine hässliche kleine Ecke der Verpackung ab? Wie würde das Ganze in einem Headerbeutel von maropack aussehen? Überhaupt Headerbeutel: eine wirklich praktische Erfindung, wie sie die Ware so lustig in den Ständern baumeln lassen. „Schuld daran“ war das Website-Projekt maropack.

Maropack-Folienverarbeitung -

Mir war die Aufgabe übertragen worden, fachlich korrekt und mit einer emotionalen Ansprache die Folienverpackungen des Andernacher Traditionsunternehmens ins beste Licht zu rücken. Für Aldous Huxley liegt das „Geheimnis des Glücks“ darin, „zu lieben, was man verpflichtet ist zu tun“. Je mehr Freude das Arbeiten macht, desto besser wird das Ergebnis. Das war hier aus zwei Gründen der Fall: Ich konnte mich in ein Thema einarbeiten, von dem ich vorher „null Ahnung“ hatte. Und: Ich hatte viel Freiheit beim Texten.

Mit einer Einschränkung: Ein wesentliches Ziel des Relaunches war, die Auffindbarkeit der Seite zu unterschiedlichen Keywords zu steigern. Die „Description“ der einzelnen Seiten (die kleine Zusammenfassung, die zu Google-Suchergebnissen angezeigt wird), Überschriften und Absätze habe ich bewusst so gestalten, dass Suchmaschinen zumindest erahnen können, worum es geht. Dabei dürfte es sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass der inflationäre Gebrauch dieser Keywords, Keywords auf Seiten, wo sie nicht hingehören, und redundante Inhalte sowohl aus Kommunikationssicht als auch aus technischer Perspektive schlicht sinnlos sind. Ich schreibe für Leserinnen und Leser, nicht für Maschinen mit geheimnisvollen Algorithmen. Oder wie Michael Schwengers von der Kölner „kleinen republik“ jüngst auf dem Blog „kragora“ formulierte: User Experience schlägt Suchmaschinenoptimierung !

Kultursensible Pflege stellt den Menschen mit seiner Geschichte in den Mittelpunkt

Die Bewohnerinnen und Bewohner Wuppertals bringen ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe mit. Das sollte sich auch in der sozialen Infrastruktur widerspiegeln, beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen. Für Lebenszeiten sprach ich mit Ralf Krause, Heimgeschäftsführer des Multikulturelles Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“ in Duisburg. Ein Modell für Wuppertal?

Ralf Krause
Ralf Krause

Was bedeutet „multikulturell“ für Sie als Leiter des „Hauses am Sandberg“?

Ralf Krause: Neben alten und pflegebedürftigen Menschen aus der Nachbarschaft zählen zu unseren Bewohnerinnen und Bewohnern viele Menschen islamischen Glaubens, die mitunter ein wenig weiter weg von unserem Haus gelebt haben. Für das Pflegepersonal und die Heimleitung bedeutet „multikulturell“ vor allem eine kultursensible Betreuung und Begleitung unserer Bewohner. Im Grunde geht es darum, die einzelne Bewohnerin, den einzelnen Bewohner in seinen Wünschen und (auch religiösen) Bedürfnissen ernst zu nehmen. Der kulturelle Hintergrund ist dabei ein Faktor unter vielen.

Wie wirkt sich dieses Konzept im Heimalltag aus und weshalb lässt sich eine kultursensible nur schwer von einer allgemein empathischen Pflege abgrenzen?

Ralf Krause: Ein einfaches Beispiel: Unsere muslimischen Bewohner wünschen sich, von Menschen ihres Geschlechts gepflegt zu werden. Wir versuchen, dies zu ermöglichen, stoßen allerdings angesichts des Mangels an männlichen Pflegekräften an Grenzen. Viele alte Damen und Herren ohne Migrationshintergrund genieren sich genauso. Wenn eine Bewohnerin, ganz gleich welcher Herkunft, sich lieber von einer Frau waschen lässt, bemühen wir uns selbstverständlich, diesem Wunsch nachzukommen.

Weshalb bevorzugen alte und pflegebedürftige Einwanderer der ersten Generation und ihre Angehörige das „Haus am Sandberg“?

Ralf Krause: Sowohl die christliche als auch die islamische Gesellschaft in Deutschland säkularisiert sich immer mehr. Dennoch ist es vielen Familien türkischer Herkunft wichtig, dass sich die alte Generation halal ernähren kann, also nach den islamischen Speisevorschriften. Wir bieten jeden Tag ein Gericht ohne Schweinefleisch und dessen Nebenprodukte wie beispielsweise Gelatine an. Ein weiterer Aspekt ist sicher die Sprache. Eher altersbedingte Erkrankungen wie Demenz bringen es mit sich, dass sich die Bewohner zunehmend auf die Sprache ihrer Kindheit zurückziehen. In der Begleitung ist es wichtig, diesen Schritt nachvollziehen zu können. Unsere Mitarbeiter sprechen Türkisch und weitere Sprachen, je nach ihrem eigenen kulturellen Hintergrund. Wenn jemand sich in dieser Hinsicht weiterbilden will, fördern wir das.

Sie haben die Säkularisierung bereits angesprochen. Welche Rolle spielen religiöse Angebote in Ihrem Haus?

Ralf Krause: Seelsorger unterschiedlicher Konfession besuchen unsere Bewohner regelmäßig, darunter auch ein Hodscha. Da sie ihre Besuche dokumentieren, können wir nachvollziehen, dass die allermeisten unserer Bewohner diese Gespräche schätzen. Dabei muss es nicht unbedingt um Gebete und religiöse Inhalte gehen. Vielmehr bietet sich so eine weitere Möglichkeit zum persönlichen Gespräch. Wir haben einen islamischen Gebetsraum und laden unsere Bewohner alle zwei Wochen zu einem christlichen Wortgottesdienst in unseren großen Veranstaltungsraum ein. Diese Angebote sind beliebt, wohl auch, weil sie dazu beitragen, den Tag zu strukturieren.

Wie gehen Sie im „Haus am Sandberg“ mit der letzten Lebensphase, dem Sterben, um? Wie mit trauernden Angehörigen und Bewohnern?

Ralf Krause: So individuell wie die Männer und Frauen, die hier miteinander wohnen, sind auch ihre Wünsche und die ihrer Angehörigen am Lebensende. Wir gedenken einmal im Jahr unserer Verstorbenen. Manche Angehörige nutzen die Gelegenheit gerne, andere bleiben weg. Ebenso ist das Bedürfnis nach Nähe in den Tagen des Sterbens von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wir bemühen uns, jeder einzelnen Bewohnerin bis zuletzt gerecht zu werden. Dabei nehmen wir sehr bewusst und sichtbar Abschied. Der Transportsarg oder, leider immer häufiger, Leichensack wird durch dieselbe Tür getragen, durch die der Verstorbene früher einmal eingezogen ist.

Lauter als YouTube? Kampagne der Druck- und Medienverbände

„Die Zukunft wird gedruckt“, lautet das Motto einer aktuellen Kampagne der Druck- und Medienverbände. Die Argumente bleiben mitunter ein wenig an der Oberfläche.

 Im Wirtschaftszweig „Herstellung von Druckerzeugnissen“ zählt die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid 89 Unternehmen. Knapp 50 davon sind in Wuppertal ansässig. Aus vielen kleinen Betrieben setzt sich regional der „Wirtschaftsfaktor Print“ zusammen – und der kann sich bundesweit sehen lassen: „Rund 155.000 Beschäftigte in 10.000 Betrieben fertigen Druckerzeugnisse mit einem Produktionswert von 14,3 Milliarden Euro. Addiert man die Werte der erbrachten Druckleistungen hinzu, kommt man auf einen Produktionswert in Höhe von 16,3 Milliarden Euro.“ Auch mit ihren derzeit 15.000 Auszubildenden leistet die Branche einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.

 

Kataloge für Onlineshops

Als Vertriebskanal spielt das Internet für die Druckindustrie eine wichtige Rolle. Im Jahr 2012 erzielten 1.300 Onlineshops einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite kurbelt der E-Commerce die Nachfrage nach Katalogen an. Mehr als sechs Millionen Kataloge, heißt es in der Kampagne, drucke Zalando, um online zu verkaufen. Der Otto-Konzern bietet auf der Seite „Unsere Katalogwelt“  gleich einen ganzen Bauchladen an Medien an, die die geneigte Besucherin sich zuschicken lassen kann.

 Allerdings bleibt die Wirkung der Kataloge im Dunkeln. Die Verbände verweisen auf eine ältere Studie unter Onlineshoppern. Dort gaben 67 Prozent der Befragten an, in einem Katalog zu blättern, bevor sie online etwas bestellen. Im vergangenen Jahr hat das E-Commerce-Center Köln (ECC Köln) knapp 700 Käufer befragt, ob sie sich vorher über ein Printmedium informiert haben. Lediglich 9,6 Prozent bejahten das. Hier schöpfen die Druck- und Medienverbände die Möglichkeiten im Rahmen ihrer Kampagne nicht aus. Dass Kataloge in rauen Mengen gedruckt und verteilt werden, sagt letztlich genauso wenig über die Wirkung  wie nicht belastbare Umfrageergebnisse. Weshalb bringen die Printprofis keine Beispiele für gelungene Vertriebs- und Marketingkampagnen, die gedruckte Medien und das Web verbinden? Stattdessen Zahlen zum Einsatz von (gedruckten) QR-Codes, deren Wirkung ich für begrenzt halte.

 Print verbindet reale und virtuelle Welt

In der Präsentation zur Kampagne heißt es: „Die reale Welt, in der gedruckt wird und in der man Dinge anfassen und riechen und schmecken kann, wächst immer mehr mit der virtuellen Welt der Bits und Bytes zusammen. Die virtuelle Welt wird real, die reale Welt geht online. Der Mittler zwischen den beiden Welten ist Print.“ Stimmt. Druckereien wie beispielsweise Ley + Wiegandt  bestätigen, wie es in der Kampagne heißt: „Print erfindet neu. Die Innnovationskraft der Druckindustrie bringt immer wieder neue Verfahren, Techniken, Produkte und Gestaltungsformen hervor.“

 Gedruckte RFID-Chips, Fernsehzeitung mit integriertem Video-Display: Gemeinsam mit Kommunikationsabteilungen und -dienstleistern ist die Druckindustrie gefordert, Ideen für den strategischen Einsatz „neuer“ Druckmedien zu definieren und das Zusammenspiel crossmedialer Kommunikation zu gestalten. Fernsehzeitungen empfinde ich als wenig komfortabel im Vergleich zu einer digitalen Programmübersicht, wo Trailer ganz selbstverständlich ihren Platz haben. Was ist aber beispielsweise mit Imagefilmen? Ersetzt ein guter Imagefilm eine schön gemachte, hochwertige Imagebroschüre? Sie sollten sich ergänzen.

 Print kann man hören?

„Print berührt die Sinne“, so ein weiteres Argument aus der Kampagne. Tatsächlich gibt es Broschüren, die nicht nur toll aussehen, sondern wunderbar in der Hand liegen. Ein gedrucktes Werbemittel auf dem Schreibtisch lässt sich nicht einfach wegklicken – und wenn es gut gemacht ist, landet es auch nicht so schnell im Altpapier. Das Gehör allerdings wird digital deutlich besser berührt. In der Passage „Print kann man hören“ ist von Melodien die Rede, die dem Papier „entlockt“ werden. Das gab es doch schon mal: diese Geburtstagskarten, aus denen ein schrilles „Happy Birthday“ quäkte. Nein, dafür brauche ich Print nicht. Dann doch lieber You Tube. Eine interessante Frage wäre allerdings, wie sich in der realen Welt Videos teilen lassen. Beispielsweise über USB-Cards. Und die werden… richtig: bedruckt!